Rainer Klaus
Extremradsportler und Buchautor

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Ein einzig Bild der Schönheit ist die Düne. Die Wüste beschenkt, sie verändert dich. Gib dich hin, entsage, leide, kämpfe, durchquere die Wüste voller Durst, weise die Tränen zurück, und so werde ich dir zur Entfaltung deiner selbst helfen.

               Antoine de Saint Exupèry

 

   
     
   
  Rainer wird bei der Montage des Arbeitsgerätes von Erhard Wissler, Lightweight, unterstützt.  

   
 

Ein verdientes Feierabend Bier nach den Reise- und Vorbereitungsstrapazen der
letzten Tage,  welche Dank Sabine
und Erhard Wisslers tatkräftiger Unterstützung zügig abgearbeitet wurden.

 

   
  Endlich geht es los! Start in das 3200 km entfernte Adelaide durch den morgendlichen Berufsverkehr von Darwin.  

   
  Schattenspiel bei untergehender
Sonne im australischen Outback.
 

   
  Um nicht bei lebendigem Leib gegrillt zu werden hilft nur Sunblocker ab LF 30  

   
  Erholung und eine kleine Stärkung im Roadhouse Ti Tree lassen die Hoffnung auf die anvisierte Rekordmarke wieder aufkeimen, wir konnten ja nicht wissen...  

   
  Minuten voller Angst. Rainer liegt schwer verletzt am Straßenrand nachdem ihm eine Wildkatze ins Rad lief und seine Rekordfahrt aprupt stoppte.  

 
 
   

Australien, Down Under, ein riesiges Land, gleich auch noch Kontinent, wartet durch seine Insellage mit vielerlei, uns gänzlich unbekannten Lebensformen auf. Ich stelle fest: Es wird Zeit für mich diesen Kosmos zu entdecken. Ich realisiere: Wenn ich das Land „erleben“ will, darf ich nur so schnell reisen, wie mich meine eigene Kraft vorwärts bringt. Es bleibt neben der natürlichen Fortbewegung des Gehens oder Laufens also für mich nur noch das Radfahren übrig, um meinem eigenen Anspruch gerecht zu werden. Ich akzeptiere: Für dieses „Goodie“, welches unser Planet da für mich offeriert, bin ich auch bereit für über einen Tag in den Flieger zu steigen, die unbarmherzig hernieder brennende Sonne im Outback ertragen zu müssen, den Durst, welcher sich bei der austrocknenden heißen Luft der Wüste einstellt, die Hoffnungslosigkeit, der sich endlos am Horizont sich verlierenden Strasse, die Gefahr der vorbeidonnernden Road Trains, riesiger Lastwagen, welche für nichts und Niemanden bremsen, oder besser: bremsen können, und alles andere, was sonst noch so auf mich wird zukommen wird... Ich bin gewappnet, ich nehme dieses Abenteuer an.

 
       
   

 

 
    Mitte August, zusammen mit Alexandra, Sabine und Jürgen, meinen Begleitern, welche die Aufgabe haben werden, mich bei meinem Nonstopabenteuer aus dem nachfolgenden Begleitfahrzeug heraus zu versorgen, nehmen wir die beschwerliche Flugreise in Angriff. Total platt erreichen wir Darwin, im tropischen Norden gelegene Metropole des Northern Territory. Um sich dem Jetlag hinzugeben haben wir keine Zeit, müssen doch innerhalb kürzester Zeit, hierfür sind 2 Tage angesetzt, alle notwendigen Einkäufe getätigt werden. Um ein weitgehendes Nonstop zu gewährleisten, bleibt ja nichts anderes übrig als sich mangels Verfügbarkeit der voraussichtlich benötigten Dinge im Outback, gleich hier am Anfang mit allem einzudecken. Zum Glück unterstützen uns hierbei Sabine und Erhard Wissler, die ihren eigenen Australientrip extra noch ein wenig ausdehnen, um live mitzuerleben, wie Ihre Produkte, welche mir bei diesem Vorhaben zur Verfügung stehen werden, diesen „Feldtest“ meistern.  
       
  Start am 21.August 2006 um 5:30 Uhr  
       
   

Es geht los. Schnell schwindet die Nervosität. Das Rad rollt. Zügig verlassen wir die Stadt. Dennoch, der Verkehr ist stark, Sagen wir so, er stört schon ein bisschen. Aber, mit zunehmender Distanz zur Küste beruhigt sich der Verkehr ebenso, wie auch der Konsum an Trinkbarem zunimmt. Schön! Nicht nur unser Vorankommen, auch der optische Eindruck der vorbeiziehenden Landschaft lässt bei uns allen gute Laune aufkommen. Es sieht zwar alles gleich aus hier im Outback, aber ist es wirklich so gleich?

Ok, in der Mitte die Fahrbahn, so rau, dass die Reifen einfach nicht recht rollen wollen, rechts und links davon je ein breiter, vielleicht 5 Meter breiter Streifen von fester, roter Erde, daran schließt sich dann eine Einödsteppe an, welche mit den unterschiedlichsten Baumkreationen bestanden ist. Alles scheint leblos, trocken, fast tot. Kein Ton irgendwelcher Tiere ist zu vernehmen. Was Wunder, knallt doch die Sonne jetzt fast senkrecht vom Himmel und grillt unweigerlich jedes Stückchen Fleisch, gleich, ob tot oder lebendig – wir antworten mit „zentimeterdick“ aufgetragenem Sunblocker.

 
       
   

Das ist prima. Wie die Probleme auch auftauchen, so lösen wir sie, wie eine Henne jedes Körnchen, welches ihr hingeworfen wird, flugs in seinem innern verschwinden lässt.

Der zweite Tag scheint eine Wiederholung des Ersten. Unterschied: Weniger Verkehr, noch brutalere Sonne, noch weniger Spuren von lebender Materie, seien es Menschen oder auch Tiere. Tiere werden einem nur in Form von zusammengefahrenen Kängurus im Straßengraben gewahr. So haben wir genügend Zeit unseren psychischen Rhythmus an den des Outback anzupassen – das wird der Schlüssel zum Erfolg sein. Den Duft, das „Kharma“ dieser Landschaft muss der beherrschende Faktor in unserem augenblicklichen,

 
    nur aufs Treten, Essen, Trinken und auch vereinzelt Ruhen (ein bisschen Schlafen zuweilen) ausgerichteten Dasein werden.
Alexandra, Sabine und Jürgen im Camper, sowie ich auf dem Rad finden an diesem zweiten Tag unter einigen Mühen zu diesem Rhythmus und werden durch eine problemlos verlaufende Nacht unter dem grandiosen Sternenhimmel des Südens dafür reichlich belohnt.
 
       
  1000 km in 38 Stunden...  
       
   

Eineinhalb Stunden Schlafpause stehen nun nach über 40 Stunden weitgehender Nonstopfahrt an und bringen mir die erwartete Erholung und meiner Begleitung den positiven Schub, den wir dringend nach den 2 Gegenwindtagen gebrauchen können.

Die Sonne haben wir mit dem Sunblocker, teilweise verhüllender Kleidung und jeder Menge Trinkbarem im Griff, die Müdigkeit weicht mit der Freude, ob des jetzt einsetzenden Rückenwindes, welcher zwar bald wieder „auf halb“, wie die Segler sagen würden dreht (= Seitenwind) uns aber bei unseren sich „im Flow“ befindlichen Bewegungen den fiktiven Rückstand auf die geplante Marschtabelle fast wieder einholen lässt. Da kommt doch eine kleine Rast jetzt am Abend gerade recht! Knapp 5 Uhr abends, also noch über eine Stunde bis zum Einnachten – zu früh zum Waschen und warm anziehen. Die Pommes hier laben jedoch Körper und Seele aller Teammitglieder.Herzlich verabschieden wir uns von den Betreibern....

 
       
  Wir konnten ja nicht wissen...  
       
   

Sogleich finde ich wieder meinen Tritt und freue mich auf die kühle Nacht, welche uns nach Alice Springs, dem „halfwaypoint“ bringen wird. ...ein brauner Schatten von links –klong – das Vorderrad schlägt ein – Ich gehe nach links vorne mit der Schulter auf den Boden! Der Versuch Aufzustehen misslingt – die linke Körperhälfte „hängt“ herab! Nur weg hier schießt es durch meinen Kopf und ich robbe mitsamt meinem Renner in den Graben – Roadtrains tun sich ja bekanntlich schwer mit dem Bremsen!

Dann beginnt eine abenteuerliche Odyssee über eine knappe Woche hinweg, bis ich dann in der Stuttgarter Sportklinik während eines mehr als zweiwöchigen Aufenthaltes wieder „zurechtgeflickt“ werde.

 
    Was bleibt? Sagen wir mal so, ein riesiges Loch in der Kasse, vor allem aber das Wissen dass es mir gelungen ist nicht gegen das Outback und die Elemente gefahren zu sein sondern im, oder auch mit dem Outback. Diese Wildkatze? Nun, das war halt ganz einfach Pech. Also, auf nach Australien!  
 
Rainer Klaus • Staufenweg 38  • D-73252 Lenningen/Hochwang • Phone 049 (07026) 371453